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| Stellungnahme zum Angebot
der Deutschen Bahn: |
Verkauf von Teilen des Bahnhofsgeländes in Planegg | |||
| Auf den ersten Blick scheint es verlockend, durch Ankauf von Flächen am Planegger Bahnhof Gestaltungsfreiheit zu gewinnen und dann das Areal besser an die verschiedenen Nutzungsbedürfnisse anzupassen. Die Arbeitskreise Mobilität und Siedlung sowie der Bund Naturschutz machen jedoch darauf aufmerksam, dass mit der Bebauung der gegenwärtig unbenutzten Gleisanlagen im Hinblick auf das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung die Weichen für die Zukunft offenkundig in die falsche Richtung gestellt würden. | ||||
| Wir meinen, dass vor dem Abschluss von Verhandlungen über den Flächenankauf durch die Gemeinde eine öffentliche Diskussion über die Perspektiven und Ziele der Gemeinde geführt werden sollte. Den Anstoß hierzu möchten wir mit der vorliegenden Stellungnahme geben. |
Zur Zeit wird die Machbarkeit einer Stadtbahn untersucht, die die Münchner Umlandgemeinden tangential miteinander verbinden soll. Dem Planegger Bahnhof ist dabei die Rolle einer Umsteigestation zur S-Bahn zugedacht. Dies würde einen Halt der Regionalzüge in Planegg wieder sinnvoll machen, was zugleich die Rentabilität der Stadtbahn erhöhen würde. Das aufstrebende Wissenschaftszentrum Martinsried benötigt ebenfalls einen attraktiven ÖPNV-Anschluss an das Umland. Die hierzu erforderlichen Flächen sind am Bahnhof Planegg vorhanden, werden aber zur Zeit nicht genutzt.
Wir stöhnen alle unter der Belastung von Umwelt und Gesundheit durch hohes Verkehrsaufkommen, insbesondere durch starken LKW-Verkehr. Immer wieder wird gefordert, mehr Gütertransporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern - in der Bundesrepublik noch ohne nennenswerten Erfolg. Dies wird sich spätestens dann ändern, wenn die Treibstoffpreise aufgrund der weltweiten Verknappung des Rohöls drastisch ansteigen. Nach aktuellen Prognosen werden wir dies noch im 21. Jahrhundert erleben.
Es wäre sehr kurzsichtig, jetzt die örtlich noch vorhandenen Reste an Infrastruktur für den Güterumschlag zwischen Bahn und LKW aufzugeben. Mit modernen, flexiblen Ladeeinrichtungen, die bereits zur Verfügung stehen, könnte der Betrieb ohne große bauliche Maßnahmen wieder aufgenommen werden.
Große Fortschritte macht der Gütertransport per Schiene schon jetzt in der Schweiz. Im Anhang stellt der Bund Naturschutz ausführlich dar, welche Chancen die Gemeinde Planegg mit der Zulassung einer Bebauung der alten Gleisanlagen verspielen würde. Sie kann stattdessen, unabhängig vom Eigentümer, über einen Bebauungsplan die Nutzung oder eben auch die Nichtnutzung der fraglichen Flächen festschreiben.
Gleichwohl ist die Situation am Bahnhof Planegg für viele Nutzergruppen heute unbefriedigend, wie im nächsten Abschnitt gezeigt werden wird. Sie ließe sich aber verbessern, ohne die Option auf eine spätere Wiederbelebung des Güterverkehrs und der Wiedereröffnung des Regionalbahnsteigs aufzugeben.
Die Lokale Agenda 21 appelliert an die Verantwortlichen in Verwaltung
und Gemeinderat, die hier dargestellten Gesichtspunkte bei den künftigen
Verhandlungen und Entscheidungen zu berücksichtigen - eine Nutzungsänderung
der alten Bahnflächen könnte sich schon in wenigen Jahren als
folgenschwere Fehlentscheidung herausstellen.
2. Gegenwärtige Situation am Bahnhof Planegg
Die folgende Tabelle listet die gegenwärtigen Nutzungsansprüche
an das Gelände um den Bahnhof auf und bewertet die Qualität ihrer
Erfüllung:
| Anspruch | Qualität | |
| Umsteigen zwischen S-Bahn und | ||
| Bus, Ostseite | Sehr enger Wartebereich an der Bushaltestelle.
Relativ weiter Weg vom Bahnhof zum Bus; führt bei verspäteter S-Bahn gelegentlich dazu, dass der Bus abfährt, bevor man ihn erreicht. Busfahrer sollten in den Tunnel hineinsehen können und den Auftrag erhalten, auf sichtbare Nachzügler zu warten. Auf dem Vorplatz große Pfützen zwischen Bushaltestelle und Bahnhof. Im Winter oft knöcheltiefer Schneematsch. |
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| Bus, Westseite | Gestaltung der Haltestelle sehr lieblos: Alte Holzhütte schief aufgestellt, Sitzbank daneben nicht überdacht. Fahrzielangabe lautet "Planegg" - sollte stattdessen "Krailling - KIM" o.ä. lauten | |
| Fahrrad | Es gibt zu wenig Fahrradständer und sie haben schlechte Qualität: An der Auffahrt leichtes Herausrollen, Felgenschäden möglich, Anschließen unmöglich. Oben nur noch demolierte Ständer, oft kein Zugang wegen parkender PKWs, verdreckt. Nachts keine Beleuchtung, Ort ist zu abgelegen. | |
| PKW-Park and Ride, Ostseite | Unübersichtlicher Platz. Keine Anzeige freier Plätze; weiter Weg zu Alternativplätzen fördert behinderndes Parken aus Zeitnot. | |
| PKW-private Zubringer / Abholer | Werden durch eingeschränktes Halteverbot nicht an zu langem Aufenthalt gehindert (max. 3 Minuten zulässig). | |
| Wendeschleife für | ||
| Linienbusse | Probleme, wenn zu viele private PKW-Abholer warten. | |
| Andere Fahrzeuge | Für PKW keine Probleme. | |
| Sonstige | ||
| Zufahrt zum Heide-Volm-Parkplatz | Keine Probleme bekannt; Gastwirt wünscht mehr Stellplätze. | |
| Orientierung für Unkundige | Ortsplan von Planegg am Bahnhof zeigt einen kleinen Teil Kraillings, aber keine Ortsnamen und -grenzen, obwohl ein erheblicher Teil der ankommenden S-Bahn-Fahrer nach Krailling will. Keine Wegweisung dorthin. Im Tunnel nur Anzeige der Bus-Liniennummern, nicht der Fahrtziele. | |
| Maria-Eich-Besucher(innen) | Kein Wegweiser im Tunnel. | |
| Städtebauliche Qualität | Aufenthalt im Bahnhofsbereich nicht angenehm. | |
| Fußgänger | Häufig Behinderungen an Bushaltestelle durch wartende Fahrgäste. | |
| Zufahrt zu Firma Braun | Keine Probleme bekannt. | |
Auf den bestehenden Gleisflächen sollten durch zweckdienliche Maßnahmen und Unterlassungen der Gemeinde Planegg die Optionen auf einen Ausbau zum ÖPNV-Knotenpunkt sowie die Wiedereröffnung des Güterumschlags offengehalten werden. Bahnhofsgebäude und Teile des Vorplatzes sind jedoch einer Umgestaltung zugänglich, ohne dieses Ziel zu gefährden.
Von den heutigen Fahrgastzahlen her müsste die S6 bis Gauting zu den vordringlich auf 10-Minuten Takt zu verdichtenden S-Bahnlinien gehören. Mit dem nötigen politischen Druck lässt sich diese Forderung auch verwirklichen, da dem 10-Minuten Takt bis Gauting keine technischen Hindernisse im Weg stehen und die aufstrebende Bio-Region im Würmtal dringend gute Anschlüsse an den ÖPNV braucht. Durch zunehmende Pendlerzahlen aus dem Oberland wird es in Zukunft dringend geboten sein, in Planegg auch wieder Regionalzüge halten zu lassen, damit die in Martinsried, Großhadern und dem übrigen Münchner Süden tätigen Pendler direkt ihr Fahrziel mit der projektierten Stadtbahn von Germering über Planegg nach Martinsried bzw. Fürstenried ohne den Umweg über die Münchner Innenstadt erreichen. Dazu sind jedoch am Bahnhof Planegg Flächen für einen Regionalzug-Bahnsteig und die Verknüpfung mit der Stadtbahn vorzuhalten. Diese Flächen dürfen nicht durch Verkauf einer anderweitigen, geringwertigen Nutzung zugeführt werden.
Bei dem prognostizierten Zuwachs an Mobilität muss in wenigen Jahren wesentlich mehr Verkehr auf der Schiene abgewickelt werden, sonst erstickt gerade das enge Würmtal in Abgasen und Lärm. Auch wenn die heutige DB sich gegen einen Halt der Regionalzüge in Planegg ausspricht, sprechen sich alle namhaften Verkehrsexperten für schnellere und bequemere Angebote aus, da nur durch verbesserten Service neue Kunden für die Bahn gewonnen werden können.
Neben der Offenhaltung der Möglichkeit künftiger Regionalzughalte in Planegg spricht noch ein weiteres gewichtiges Argument für einen weitgehenden Erhalt der heutigen Bahnflächen in Planegg für den Schienenverkehr. Der Güterverkehr auf den Straßen kommt in wenigen Jahren an eine Grenze, an der die ökonomischen und ökologischen Schäden nicht mehr ignoriert werden können.
Angesichts der Flut von LKW, die täglich unser Straßennetz verstopfen, fordern Politiker sämtlicher Parteien seit längerem, dass unbedingt mehr Güter auf die Schiene verlagert werden müssen. Die neuesten Zahlen belegen, dass der Anteil der Bahn am Güterverkehr in den letzten 7 Jahren um über 8 % gesunken ist, während der Anteil der Straßen um 14,2 % gestiegen ist (1998 Straße: 67,3 % des gesamten deutschen Güterverkehrs). Um nur den prognostizierten Zuwachs des Straßengüterverkehrs auf die Schiene zu verlagern muss die Transportmenge auf der Schiene in den nächsten Jahren ca. auf das 2,5-fache wachsen. Diese Gütermengen können nicht durch Massengütertransporte aufgebracht werden, es müssen in großem Umfang sog. Transportlogistikgüter auf die Schiene verladen werden. Unser Nachbarland Schweiz zeigt, dass dies möglich und auch wirtschaftlich darstellbar ist.
Dort werden schon heute folgende Güter auf der Schiene von und zu dezentralen Ladebahnhöfen transportiert: alle Arten von Abfall (Restmüll, Altpapier, Altglas, DSD-Müll usw.) Stamm- und Schnittholz, Baustoffe, Mineralöle, Einzelhandelsware bis zur Frischwarenbelieferung, Getränke, Speditionsgüter in Containern, die Post nicht zu vergessen!
Jüngst hat das Bundesamt für Straßenwesen festgestellt, dass ein LKW unsere Straßen so stark schädigt wie 164.000 PKW. Auch die Zahl der Verkehrstoten bei Unfällen mit LKW steigt drastisch an. So wurden 1998 schon 1997 Menschen bei Unfällen mit LKW getötet bei insgesamt sinkenden Zahlen von Verkehrstoten!. Ausländische LKW tragen in Deutschland lediglich 14,3 % der von ihnen verursachten Infrastrukturkosten, von Umweltschäden ganz zu schweigen! Ein weiterer drastischer Zuwachs des Güterverkehrs auf der Straße ist daher volkswirtschaftlich nicht mehr zu vertreten.
Auf Grund der politischen Rahmenbedingungen ist DB-Cargo derzeit allerdings nicht in der Lage, die notwendige Transportlogistik zu marktfähigen Preisen anzubieten. Da die DB nach ihrer Reform keine volkswirtschaftlichen Aufgaben mehr übernehmen kann, ist sie genötigt, alle augenblicklich nicht betriebsnotwendigen Bahnanlagen zu verkaufen, auch wenn sie später erkennbar wieder benötigt würden. Genau dieser Fall ist in Planegg eingetreten. Der heutige Bahnhof Planegg weist noch Infrastruktur für möglichen Güterverkehr auf, der derzeit nicht zu den Unternehmenszielen der DB-Cargo gehört. Ein Kauf der nicht mehr benötigten Bahnanlagen durch die Gemeinde Planegg und ihre Verwertung würde eine Verlagerung möglicher Transportlogistikgüter im Würmtal für alle Zeiten verhindern. Das Würmtal wäre der unaufhörlich anwachsenden LKW-Lawine auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die obige Aufzählung von Gütern, die schon heute in der Schweiz auf der Schiene auch über kürzere Distanzen transportiert werden, beinhaltet viele Güter, die auch im Würmtal auf die Schiene verlagert werden könnten.
Die Gemeinde Planegg befindet sich unter keinerlei Zwang, auf das Verkaufsangebot der DB einzugehen. Zum einen ist das fragliche Bahngelände für Planegg nahezu wertlos, da es keinerlei vernünftige Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Andererseits hätte eine bahnfremde Nutzung für die Zukunft unabsehbare Nachteile für das gesamte Würmtal! Daher sollte die Gemeinde Planegg auf gar keinen Fall in Kaufverhandlungen mit der Bahn eintreten. Im Gegenteil, Planegg muss der DB und möglichen Kaufinteressenten deutlich machen, dass eine Umwidmung der Bahnflächen für Planegg unter keinen Umständen in Frage kommt bzw. kein Bebauungsplan für diese Flächen aufgestellt wird. Dadurch wird eine anderweitige Vermarktung der Bahnflächen für die DB verhindert. Über mögliche Zwischennutzungen, die eine künftige Nutzung als Güterverkehrsanlage nicht verhindern, kann man sich mit der DB einigen.
Durch moderne Umladetechniken und neue Güterfahrzeuge, wie z.B. den Cargosprinter, können dezentrale Güterumschlagsanlagen, wie in Planegg, ohne unerträgliche Belästigungen für die Anlieger betrieben werden. Der Planegger Güterbahnhof hat eine Zufahrt von der Germeringer Straße her, würde also die Bahnhofstraße nicht belasten. Bei Neugestaltung der Umladeanlage wären auch Schallschutzwände zum Schutz der Anwohner von der Bahn zu errichten, die diese Anlieger auch wirkungsvoll vor dem Lärm der Personenzüge schützen würden.
Der Fall des Planegger Bahnhofs ist einer der wenigen Fälle, wo durch Unterlassen von Aktivitäten kein Schaden entsteht und größere Schäden für die Zukunft verhindert werden.
Dipl.-Ing. Hans-Dietrich Kubisch
Bund Naturschutz Kreisgruppe München Arbeitskreis Verkehr
4.02.2000 Lotar Krahmer